Neue Banknotenserie planen: Von der Technologieauswahl bis zur erfolgreichen Ausschreibung

Von Dr. Markus Fellner, Gründer & Leitender BeraterAktualisiert 14. Juli 20267 Min. Lesezeit
Kurzantwort

Eine neue Banknotenserie ist ein mehrjähriges, technisch wie politisch anspruchsvolles Vorhaben. Die Zentralbank muss ein Substrat wählen – Baumwolle, Polymer oder eine Hybridlösung –, Sicherheitsmerkmale in ein tragfähiges Designkonzept integrieren, Druckverfahren festlegen und eine internationale Ausschreibung durchführen, all das unter dem Einfluss von Herstellervertretern, Designern und internen Stakeholdern. Der globale Sicherheitsdruckmarkt wächst seit Jahren stetig, was für einzelne Zentralbanken vor allem steigende Nachfrage bei den grossen Druckereien und tendenziell längere Lieferzeiten bedeutet. Eine unabhängige, anbieterneutrale Beratung schafft hier Klarheit über Optionen, Risiken und bewährte Vorgehensweisen.

Phasen eines Banknotenserien-Projekts: Roadmap von der Konzeption bis zur Emission

Ein typisches Projekt durchläuft vier bis fünf Phasen über insgesamt vier bis sieben Jahre. In der Konzeptions- und Strategiephase (sechs bis zwölf Monate) werden Ziele definiert – geht es primär um mehr Sicherheit, ein neues Design oder tiefere Kosten? – und Budget, Stakeholder-Anforderungen sowie erste Designrichtlinien festgelegt. Die Technologie-Evaluation (neun bis achtzehn Monate) vergleicht Substrate, Sicherheitstechnologien und Druckverfahren, meist anhand von Mustern, die zwei bis drei Kandidaten anfertigen. In der Ausschreibungs- und Lieferantenwahlphase (sechs bis zwölf Monate) folgt ein öffentliches oder eingeschränktes Vergabeverfahren, das mit der Vertragsvergabe endet. Produktion und Qualitätssicherung (zwölf bis vierundzwanzig Monate) umfassen die Massenproduktion, Stichprobenprüfungen und den Aufbau der Lagerhaltung, häufig in Tranchen, um Risiken zu verteilen. Die Emissions- und Rücknahmephase schliesslich läuft fortlaufend und wird eng mit den Geschäftsbanken koordiniert.

Verzögerungen sind dabei eher die Regel als die Ausnahme: Designgenehmigungen ziehen sich, Lieferanten kämpfen mit Lieferkettenproblemen, oder neue Sicherheitsanforderungen entstehen kurzfristig, etwa nach einer Fälschungswelle. Ein realistischer Zeitplan mit Pufferzeiten ist deshalb entscheidend für den Projekterfolg.

Substratauswahl: Baumwolle, Polymer oder Hybrid?

Die Wahl des Substrats ist strategisch und praktisch irreversibel – sie prägt die Banknote für zwanzig bis dreissig Jahre. Baumwollpapier ist die klassische Lösung: rund 40 bis 60 Prozent günstiger als Polymer, mit langer industrieller Tradition und breit verfügbaren Druckmaschinen, aber mit kürzerer Lebensdauer von vier bis sechs Jahren und einer höheren Umweltbelastung durch Bleichung und Wasserverbrauch. Polymer hat sich als moderner Standard etabliert: drei- bis viermal teurer in Material und Druck, dafür mit einer Lebensdauer von zehn bis fünfzehn Jahren, klaren Sicherheitsvorteilen wie Transparenzfenstern und höherer Fälschungssicherheit sowie deutlich besserer Beständigkeit gegen Feuchtigkeit und Verschmutzung. Eine wachsende Zahl von Zentralbanken weltweit setzt inzwischen mindestens eine Polymer-Denomination ein, der Trend geht klar in diese Richtung. Hybridsubstrate – Baumwollpapier mit Polymerbeschichtung – versuchen, Kosten und Langlebigkeit zu verbinden, sind technisch aber anspruchsvoller und geniessen am Markt bislang weniger Vertrauen.

Eine unabhängige Analyse berücksichtigt neben den reinen Produktionskosten auch die nötigen Infrastrukturinvestitionen – etwa in neue Druckmaschinen oder veränderte Lagersysteme –, die Sicherheits-Roadmap und die Frage, welche Merkmale zu welchem Substrat passen, sowie die Akzeptanz bei den Stakeholdern: Designer bevorzugen aus optischen Gründen oft Baumwolle, während die Sicherheitsabteilung meist zu Polymer tendiert.

Sicherheitsmerkmale für neue Banknoten: Technologietrends

Ein Banknoten-Redesign ist immer auch die Gelegenheit, die Sicherheit neu zu kalibrieren. Klassische Merkmale wie Hologramme, Reliefs und Wasserzeichen behalten ihren Platz, doch Fälscher werden zunehmend versierter, was den Markt für neue Technologien treibt: optisch variable Elemente, deren Farbe sich mit dem Betrachtungswinkel ändert, Kippeffekte, maschinenlesbare Codes und Infrarot- oder UV-Merkmale.

Banknoten bilden innerhalb des Sicherheitsdruckmarkts das grösste Einzelsegment, entsprechend intensiv ist der Wettbewerb zwischen den grossen Anbietern – Giesecke+Devrient und De La Rue zählen neben Koenig & Bauer und Crane Currency zu den international führenden Häusern und bringen jeweils ihr eigenes Portfolio an Sicherheitsmerkmalen ein. Ein Berater hilft dabei, die Kosteneffizienz einzelner Merkmale realistisch einzuschätzen: Welche haben nachweislich Fälschungen reduziert? Welche sind eher Trend und in fünf Jahren ohnehin Standard? Und welche passen zum Design, ohne es optisch zu überladen? In der Praxis wählt eine Notenbank meist vier bis sechs primäre und zwei bis drei sekundäre Merkmale pro Denomination.

Druckverfahren und Lieferantenlandschaft

Banknotendruck ist ein hochspezialisiertes Handwerk. Der Stichtiefdruck (Intaglio) bleibt Standard, weil er die charakteristische fühlbare Relief-Struktur und feinste Details liefert, wird inzwischen aber häufig mit Kombinations- und Mehrschichtverfahren ergänzt. Moderne Druckmaschinen, etwa von Koenig & Bauer, sind weitgehend automatisiert, verlangen aber erhebliche Wartung und spezialisiertes Fachpersonal. Offset- und Flexodruck kommen für einzelne Designelemente zum Einsatz, nicht aber für den Primärdruck.

Die Lieferantenlandschaft ist konzentriert: De La Rue, Giesecke+Devrient, Crane Currency und Koenig & Bauer decken zusammen einen Grossteil des Marktes ab und bieten unterschiedliche Kombinationen aus Design, Drucktechnik und Substratproduktion an – einige als Full-Service-Anbieter von der Konzeption bis zur fertigen Note, andere spezialisiert auf einzelne Prozessschritte. Ein Ausschreibungsprozess muss deshalb präzise festlegen, welche Leistungen bei der Notenbank verbleiben, etwa das Design, und welche extern vergeben werden – sonst entstehen Doppelarbeit oder unklare Haftung. Da die weltweite Produktionskapazität begrenzt ist und mit der Nachfrage nicht immer Schritt hält, werden realistische Liefertermine zu einem wichtigen Verhandlungspunkt.

Anbieterneutrale Technologieberatung im Ausschreibungsprozess: Warum sie zählt

Hersteller von Sicherheitsmerkmalen, Druckmaschinen und Substraten haben naturgemäss ein finanzielles Interesse daran, die eigene Technologie zu empfehlen: Ein Druckmaschinenhersteller wird tendenziell den Intaglio-Druck favorisieren, ein Polymeranbieter wird für Polymer werben, ein Hologramm-Spezialist wird optische Merkmale überbewerten. Eine Zentralbank, die sich ausschliesslich auf solche Empfehlungen verlässt, läuft Gefahr, eine überteuerte oder suboptimale Kombination zu wählen.

Eine unabhängige, nicht umsatzabhängige Technologieberatung bewertet stattdessen neutral, welche Kombinationen aus Substrat, Merkmal und Druckverfahren sich bewährt haben, welche riskant oder unzureichend erprobt sind, wie sie zu Budget und Emissionsplan passen und wo unerwünschte Abhängigkeiten entstehen – etwa wenn nur ein einziger Hersteller eine bestimmte Merkmaltechnologie beherrscht. Diese Analyse mündet in klare Ausschreibungsanforderungen, die Innovation zulassen, ohne unkontrollierte Risiken einzugehen. In der Praxis führt das häufig zu spürbaren Kosteneinsparungen und einer deutlich zügigeren Ausschreibung, weil weniger nachverhandelt werden muss.

Sonder- und Jubiläumsausgaben: Besonderheiten bei Gedenkbanknoten

Neben regulären Serien geben Zentralbanken gelegentlich limitierte Sondernoten heraus – zu Jubiläen, grossen Sportereignissen oder als Gedenkausgabe. Der technische Prozess ähnelt dem regulärer Banknoten, unterscheidet sich aber in wichtigen Punkten: Das Designbudget fällt oft grosszügiger aus, die Umlaufdauer ist mit ein bis fünf Jahren deutlich kürzer, und die kleineren Auflagen verlangen flexiblere Maschinen-Setups. Häufig fällt die Wahl dabei auf Polymer, weil sich optische Sicherheitsmerkmale darauf besonders eindrucksvoll darstellen lassen und die begrenzte Auflage die höheren Stückkosten rechtfertigt – Australien war mit seiner Polymer-Banknotenserie hier über Jahrzehnte ein vielbeachtetes Vorbild für andere Notenbanken.

Bei der Ausschreibung von Gedenkausgaben empfiehlt sich häufig eine eigene Strategie, etwa ein anderer Druckpartner als für die reguläre Serie, um Lieferketten zu entlasten und Raum für Innovation zu schaffen. Auch Fragen der Echtheitsprüfung und Sammlerverfolgung gewinnen an Bedeutung, weil für solche Noten oft ein aktiver Sekundärmarkt entsteht.

Zeitpläne und Ressourcenplanung für Redesign-Projekte

Der realistische Zeitplan hängt stark von Komplexität und Parallelisierung ab. Im günstigsten Fall – bewährte Technologie, wenige politische Hürden, etablierte Lieferanten – lässt sich ein Redesign in etwa vier Jahren umsetzen. Mit neuen Design- oder Technologieelementen, mehreren Stakeholdern oder Gestaltungskonflikten sind fünf bis sieben Jahre realistischer, und bei grundlegend neuen Substraten oder Sicherheitstechnologien, politischen Verzögerungen und intensiver öffentlicher Konsultation können acht bis zehn Jahre vergehen.

Jedes Jahr Verzögerung hat spürbare Folgen: Alte Noten bleiben länger im Umlauf und nutzen sich stärker ab, was Nachdrucke verteuert, Lagerfläche bleibt gebunden, und externe Risiken wie eine Lieferanteninsolvenz oder eine neue Fälschungswelle können den Prozess zusätzlich belasten. Intern braucht ein solches Projekt in der Regel ein dediziertes Kernteam aus zwei bis drei Personen – Projektleitung, Technik, Administration – ergänzt durch Beiträge aus Design, Finanzen, Sicherheit und dem Geschäftsbankenverkehr. Extern kommen Design-Agenturen, laufende Sicherheitsberatung und die Bewertung der Lieferanten hinzu. Eine grosszügige Budgetierung und ein Zeitplan, der realistisch mit anderen Notenbankprojekten konkurriert, sind für den Projekterfolg entscheidend.

Häufige Fragen

Sollte eine Zentralbank die Banknotenserie selbst designen oder extern?

Ein Hybridmodell gilt als Best Practice: Die Zentralbank definiert Briefing, Sicherheitsanforderungen und Markenrichtlinien, externe Design-Agenturen entwickeln mehrere Konzepte, und die Notenbank trifft die finale Entscheidung. Das spart interne Kapazitäten, nutzt spezialisiertes Talent und sichert durch die interne Entscheidungshoheit die politische Akzeptanz.

Wie lange dauert es, ein neues Banknotenserien-Projekt zu genehmigen?

Die politische Genehmigung durch Regierung, Parlament oder gegebenenfalls ein Referendum ist meist der längste Schritt und kann bei Widerstand ein bis drei Jahre dauern. Die technische Genehmigung durch den Zentralbankvorstand nimmt in der Regel drei bis sechs Monate in Anspruch. Ein früher Dialog mit den relevanten Stakeholdern verkürzt vor allem die politische Phase.

Welche Risiken entstehen durch Lieferketten-Störungen bei Banknotenneudrucken?

Lieferanten können ausfallen, die Qualität leiden oder die Kosten spürbar steigen. Bewährte Gegenmassnahmen sind eine Mehrquellenstrategie mit zwei Lieferanten, Pufferbestände, Vertragsstrafen bei Lieferverzug und regelmässige Lieferanten-Audits.

Ist Polymer wirklich teurer als Baumwolle, wenn man Lebensdauer einrechnet?

Ja, Polymer ist bei Material und Druck teurer, doch weil Polymer-Noten zwei- bis dreimal länger halten als Baumwollnoten, sinken die Gesamtkosten pro Umlaufjahr deutlich. Hinzu kommen indirekte Einsparungen durch höhere Fälschungssicherheit und einen geringeren Umweltfussabdruck über den gesamten Lebenszyklus.

Kostenlose Ersteinschätzung – vertraulich und unverbindlichBeratungsgespräch anfragen