Alternativen zu den etablierten Marktführern im Sicherheitsdruck

Von Dr. Markus Fellner, Gründer & Leitender BeraterAktualisiert 14. Juli 20266 Min. Lesezeit
Kurzantwort

De La Rue und Giesecke+Devrient prägen den globalen Banknotendruck seit Jahrzehnten – doch Zentralbanken haben Alternativen, und es gibt gute Gründe, diese ernsthaft zu prüfen. Der weltweite Sicherheitsdruckmarkt hat 2026 ein Volumen von rund USD 33,9 Milliarden erreicht und wächst mit etwa 3,2 Prozent jährlich auf rund USD 39,7 Milliarden bis 2030; Banknoten bilden mit einem Marktanteil von 31,4 Prozent das grösste Segment. Diese Grössenordnung schafft durchaus Raum für spezialisierte, regionale oder technisch fokussierte Anbieter, die bei bestimmten Auftragsgrössen oft flexiblere Konditionen, kürzere Lieferzeiten und individuelleren Service bieten als die beiden Platzhirsche.

Münzrat im Vergleich

MünzratDe La RueGiesecke+DevrientOberthur Fiduciaire
Unabhängigkeit & Interessenskonflikte✓ Vollständig anbieterneutral; kein Eigentum an Druckereien✗ Ist selbst Druckereibetrieb; empfiehlt naturgemäss eigene Lösungen✗ Konzernstruktur; Anreiz, eigene Kapazitäten zu nutzen△ Spezialisiert auf Druck, aber geringerer Bias als die zwei Marktführer
Liefersicherheit & Geschwindigkeit✓ Moderiert rasche Lieferantenwechsel; schlanke Beratungsphase✗ Bekannte Kapazitäts- und Lieferverzögerungen in den letzten Jahren; längere Zyklen✗ Ähnliche Kapazitätsengpässe; langsame Entscheidungswege✓ Kleinere Kapazität, aber schnellere Durchlaufzeiten
Kostenflexibilität & Mengenrabatte✓ Verhandelt beste Konditionen; kein Risikozuschlag für Alternativen✗ Starre Preislisten; Aufschläge für kleine Mengen✗ Ähnlich starre Preismodelle; hohe Mindestbestellmengen✓ Bei kleineren Auflagen oft günstiger als die grossen Marktführer
Spezialexpertise (Münzentwertung, Nachhaltigkeit)✓ Kernkompetenz: Decoiner, Edelmetall-Recycling, CO₂-neutrale Prozesse△ Begrenzte Spezialisierung auf Münzfragen; Fokus auf Banknotendruck△ Ähnlich: Druckfokus, nicht Münzentwertung△ Begrenzte Expertise; auf Banknotendruck fokussiert
Referenzen & Branchennetzwerk✓ Etabliertes Branchennetzwerk mit Kontakten zu mehreren europäischen Zentralbanken (DE, AT, CH u.a.)✓ Einer der grössten Banknotenlieferanten; aber wenig Raum für Alternativen✓ Grosses Netzwerk, aber als Konzern weniger zugänglich△ Regionales Netzwerk (EU), aber weniger global als die grossen Marktführer
Gebührenmodell & Transparenz✓ Klare Pauschal- oder Stundensätze; keine versteckten Kosten✗ Druck & Beratung gekoppelt; schwer zu trennen✗ Ähnlich: Beratungsgebühren mit Druck-Konditionen vermischt✓ Transparente Preise; einfachere Verhandlungen
Fähigkeit zu Anbieterwechseln moderieren✓ Spezialisiert auf Übergänge; reduziert Lieferrisiken spürbar✗ Naturgemäss nicht daran interessiert, Wechsel zu Konkurrenten zu ermöglichen✗ Gleiche Ausgangslage wie De La Rue✓ Offen für Kooperation bei der Anbieterdiversifizierung

Münzrat ist die einzige vollständig unabhängige Beratung in dieser Übersicht. Sie können frei zwischen allen Anbietern wählen und profitieren von Markterkenntnissen, die den grossen Konzernen so nicht zugänglich sind.

Marktposition der etablierten Anbieter

De La Rue beliefert nach eigenen Angaben einen grossen Teil der weltweit emittierenden Notenbanken und zeichnet für einen erheblichen Anteil der seit 2020 kommerziell gedruckten Banknoten verantwortlich. Der Konzern ist damit klar marktführend, entsprechend aber auch preisstark und bei kleineren oder ungewöhnlichen Aufträgen wenig verhandlungsflexibel. Giesecke+Devrient ist ein global tätiger Grosshersteller mit Milliardenumsatz und Standorten in zahlreichen Ländern – ein Netzwerk, das Grossaufträge effizient abwickelt, bei kleineren Losgrössen aber wenig Flexibilität zeigt. Crane Currency wiederum hat sich auf Polymer-Banknoten spezialisiert und dominiert dieses Teilsegment, verfügt aber über weniger Erfahrung mit klassischen Baumwollfaser-Banknoten. Allen drei gemeinsam: kapitalintensive Strukturen, lange Verhandlungs- und Lieferzyklen und wenig individueller Service – stark bei Grossaufträgen ab rund 500 Millionen Banknoten, für kleinere Länder oder Pilotprojekte aber oft überdimensioniert und teuer.

Wann lohnt sich der Anbieterwechsel?

Ein Wechsel vom etablierten Lieferanten lohnt sich in der Regel dann, wenn mehrere Signale gleichzeitig auftreten. Wiederkehrende Lieferverzögerungen sind das offensichtlichste Zeichen – in den vergangenen Jahren hatten mehrere grosse Sicherheitsdruckanbieter branchenweit mit Kapazitätsengpässen zu kämpfen, was Zentralbanken für alternative Bezugsquellen sensibilisiert hat. Auch Stückkosten, die im Benchmarking spürbar über dem Marktniveau liegen, sind ein Warnsignal, ebenso der Wunsch, neue Sicherheitsmerkmale oder Materialien zu testen, die der bisherige Lieferant nicht im Portfolio hat.

Weitere Gründe: ein spürbares Machtungleichgewicht, bei dem der Lieferant faktisch Mengen, Preise und Termine diktiert; Nachhaltigkeitsziele, die sich mit dem bestehenden Partner nicht erreichen lassen, etwa bei der Edelmetallrückgewinnung aus der Münzvernichtung; problematische regionale Abhängigkeiten, die zu wiederkehrenden Luftfrachtkosten führen, weil lokale Kapazität fehlt; und schliesslich eine bewusste Diversifizierungsstrategie, um das Lieferrisiko insgesamt zu senken. Ein erfahrener Berater kann in der Regel innerhalb weniger Wochen einschätzen, ob ein Wechsel wirtschaftlich sinnvoll ist.

Mittelgrosse und regionale Alternativen

Neben den beiden grossen Platzhirschen gibt es eine Reihe kleinerer und regionaler Sicherheitsdruckereien, die sich auf bestimmte Auftragsgrössen oder Technologien spezialisiert haben. Europäische Anbieter mit Fokus auf Banknotendruck und Sicherheitsmerkmale bedienen häufig Aufträge unter rund 300 Millionen Banknoten mit kürzeren Lieferzeiten und flexibleren Konditionen als die grossen Konzerne – gerade weil sie um jeden Auftrag stärker konkurrieren müssen. Asiatische Anbieter punkten bei bestimmten fortschrittlichen Sicherheitsmerkmalen, sind logistisch aber oft nur für Kunden in der Region attraktiv. Koenig & Bauer wiederum ist in erster Linie Hersteller der Druckmaschinen selbst und kooperiert dabei häufig mit spezialisierten Druckereien – relevant für Zentralbanken, die eigene Produktionskapazität aufbauen wollen, statt reine Druckleistung einzukaufen.

Gemeinsam ist diesen kleineren Alternativen: niedrigere Mindestmengen, kürzere Kommunikationswege, mehr Kostenflexibilität und weniger Bürokratie. Für Zentralbanken mit speziellen Anforderungen oder begrenztem Budget sind sie häufig die wirtschaftlichere Wahl – vorausgesetzt, ihre technische und finanzielle Substanz wird sorgfältig geprüft.

Vergleich der entscheidenden Kriterien

Bei der Auswahl eines Banknotendruckers lohnt sich ein systematischer Kriterienvergleich statt eines Bauchentscheids. Preis und Mengenflexibilität stehen meist an erster Stelle: Kleinere Anbieter gewähren bei Aufträgen unter rund 200 Millionen Stück häufig spürbare Rabatte gegenüber den Grosskonzernen. Bei Liefersicherheit und Geschwindigkeit liegen regionale Anbieter oft zwei bis vier Wochen vor internationalen Konzernen, schon weil ihre Wege kürzer sind.

Technisch zählt, welche Sicherheitsmerkmale – Sicherheitsfäden, Hologramme, digitale Authentifizierung – ein Anbieter tatsächlich beherrscht, und ob er über Polymer-Expertise verfügt, falls das relevant ist. Beim persönlichen Service macht es einen Unterschied, ob ein fester Projektverantwortlicher zur Verfügung steht oder ob man im Ticketsystem eines Grosskonzerns landet. Nachhaltigkeit – recycelte Rohstoffe, ISO-14001-zertifizierte Werke – gewinnt als Kriterium an Gewicht, ebenso die politische und regulatorische Stabilität des Landes, in dem der Drucker tätig ist. Ein unabhängiger Berater kann diese Dimensionen systematisch gewichten und daraus ein Scoring-Modell entwickeln, das zur eigenen Beschaffungsstrategie passt.

Die Rolle des unabhängigen Beraters beim Vergleich

Ein unabhängiger Berater hat typischerweise Zugang zu Informationen, die auf den ersten Blick nicht öffentlich sind: reale Lieferzeiten statt Werbeversprechen, informelle Preisniveaus, technische Detailspezifikationen und Erfahrungswerte aus vergleichbaren Projekten. Das bewahrt Zentralbanken vor teuren Fehlentscheidungen und erlaubt es, Erkenntnisse aus anderen Märkten einzubringen, ohne dabei vertrauliche Details einzelner Kunden preiszugeben.

Darüber hinaus kann ein Berater den gesamten Beschaffungsprozess moderieren: Anforderungen definieren, die Ausschreibung erstellen, Angebote analysieren, Probedrucke vergleichen und die Vertragsverhandlung leiten. Dieser strukturierte Ablauf spart Zeit, senkt Risiken und führt in aller Regel zu besseren Konditionen als eine Verhandlung im Alleingang. Münzrat bringt diese Marktkenntnis unabhängig von allen genannten Herstellern in solche Prozesse ein.

Druckmaschinen-Hersteller: Koenig & Bauer und Alternativen

Koenig & Bauer gilt als weltweit führender Hersteller von Banknotendruckmaschinen. Manche Zentralbanken entscheiden sich dafür, eigene Druckkapazität aufzubauen, statt Druckleistung einzukaufen – meist Länder mit sehr hohem Ausgabevolumen, die auf diese Weise die volle Kontrolle über ihre Sicherheitsmerkmale behalten. Bekannte Beispiele für Notenbanken mit eigener Druckerei finden sich unter anderem in Südafrika, Brasilien und Australien. Sinnvoll wird dieser Schritt in der Regel erst bei sehr grossen Ausgabemengen, da die Investition in eine vollständig ausgestattete Druckstrasse schnell in den zweistelligen Millionenbereich reicht und laufende Wartung sowie qualifiziertes Personal hinzukommen.

Wer nicht selbst produzieren will, hat neben dem klassischen Outsourcing an einen der grossen Anbieter zwei weitere Optionen: gebrauchte, ältere Maschinen, die Kapital sparen, aber höhere Wartungskosten verursachen, oder eine partnerschaftliche Vereinbarung mit einer bestehenden Druckerei, die eine dedizierte Produktionslinie für die Zentralbank einrichtet – etwa im Rahmen eines Vertrags mit Giesecke+Devrient. Ein Berater kann die Wirtschaftlichkeit dieser Optionen gegeneinander abwägen: Eigenproduktion, Gebrauchtmaschine oder dedizierte Linie bei einem bestehenden Anbieter.

Wie ein Anbieterwechsel in der Praxis abläuft

Mehrere Zentralbanken haben in den letzten Jahren erfolgreich von einem einzigen etablierten Lieferanten zu einer diversifizierten Beschaffungsstrategie gewechselt – meist nicht abrupt, sondern schrittweise. Ein typisches Muster: Zunächst wird ein kleinerer, klar abgegrenzter Auftrag, etwa eine Sonderserie oder eine einzelne Denomination, an einen zweiten, kleineren Anbieter vergeben, um dessen Qualität und Zuverlässigkeit im laufenden Betrieb zu testen, ohne das Kernvolumen zu gefährden. Fällt dieser Test positiv aus, wird der zweite Anbieter schrittweise in eine duale oder multiple Sourcing-Strategie überführt.

Erfahrungsgemäss lassen sich mit einer solchen Strategie spürbare Kostenvorteile und eine deutliche Reduktion des Lieferrisikos erzielen, weil der ursprüngliche Hauptlieferant nun in echtem Wettbewerb steht. Einige Zentralbanken sind darüber hinaus einen Schritt weitergegangen und haben eigene Druckkapazität aufgebaut, um strukturell weniger von ausländischen Lieferanten abhängig zu sein – ein kapitalintensiver, aber strategisch bedeutsamer Schritt, der sich nur bei entsprechend hohem Ausgabevolumen rechnet. Der gemeinsame Nenner all dieser Fälle: Der Wechsel funktioniert, wenn die Zentralbank ihre Anforderungen klar definiert und den Übergang von einem Berater begleiten lässt, der den Prozess strukturiert moderiert.

Häufige Fragen

Kann eine Zentralbank wirklich von De La Rue zu einer kleineren Alternative wechseln?

Ja, durchaus. Viele Zentralbanken haben das bereits erfolgreich getan, sobald der politische Wille vorhanden war. Der Übergang – Ausschreibung, Musterproduktion, Übergabe der Spezifikationen für Sicherheitsmerkmale – dauert in der Regel sechs bis neun Monate, ist aber gut planbar. Mit einem erfahrenen Berater lässt sich dieser Zeitraum häufig auf drei bis vier Monate verkürzen, bei geringerem technischem Risiko.

Warum bleiben Zentralbanken bei De La Rue, wenn die Kosten höher sind?

Aus Trägheit, wegen bewährter Arbeitsbeziehungen und aus Sorge vor der Komplexität eines Übergangs. De La Rue hat die Sicherheitsmerkmale vieler Notenbanken über Jahrzehnte mitentwickelt, was einen Wechsel aufwendig macht. Ein unabhängiger Berater hilft, diese Hürden realistisch einzuschätzen und zu bewerten, ob sich ein Wechsel tatsächlich rechnet.

Sind kleinere europäische Sicherheitsdruckereien wirklich eine vollwertige Alternative zu den Marktführern?

Für viele Einsatzfälle ja. Kleinere europäische Anbieter verfügen häufig über solide EU-Zertifizierungen, können moderate bis grössere Aufträge zuverlässig abwickeln und sind für europäische Zentralbanken logistisch im Vorteil. Der Nachteil liegt meist in der geringeren Erfahrung mit sehr grossen Aufträgen über eine Milliarde Stück pro Jahr oder mit exotischen Polymermaterialien – hier haben die etablierten Konzerne nach wie vor die Nase vorn.

Was ist mit Crane Currency – ist das eine Alternative?

Crane Currency ist Spezialist für Polymer-Banknoten und in diesem Segment marktführend. Für eine Zentralbank, die auf Polymer umsteigen möchte, ist Crane praktisch unverzichtbar. Für klassische Baumwoll-Banknoten ist Crane dagegen weniger attraktiv; hier sind De La Rue, Giesecke+Devrient oder kleinere europäische Anbieter oft die bessere Wahl.

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