Nachhaltige Münzprägung und Sicherheitsdruck – ESG-Anforderungen erfüllen, Umweltbelastung senken

Von Dr. Markus Fellner, Gründer & Leitender BeraterAktualisiert 14. Juli 20266 Min. Lesezeit
Kurzantwort

Zentralbanken und Notenbanken stehen unter wachsendem Druck, ihre Münz- und Banknotenproduktion CO2-ärmer und stärker kreislauforientiert zu gestalten. Der globale Sicherheitsdruckmarkt wächst mit einer CAGR von rund 3,2 Prozent bis 2030 auf etwa 39,7 Milliarden US-Dollar – parallel dazu verlangen Emittenten und Aufsichtsbehörden zunehmend Transparenz über Emissionen, Rohstoffherkunft und Recyclingquoten. Nachhaltige Ronden-Fertigung mit Recyclingmetallen und umweltgerechte Münzentwertung sind damit nicht nur regulatorisch zukunftssicher, sondern senken auf Sicht auch die Beschaffungskosten.

Warum rückt Nachhaltigkeit in der Münzprägung ins Zentrum?

Zentralbanken verwalten öffentliche Ressourcen und sehen sich zunehmend mit ESG-Verpflichtungen konfrontiert – getrieben sowohl durch nationale Klimagesetzgebung als auch durch internationale Vereinbarungen. Die Münzproduktion verursacht messbare Emissionen entlang der gesamten Kette: bei Rohstoffgewinnung, Transport, Schmelze und Prägung. Aufsichtsbehörden und immer mehr Notenbanken erwarten mittlerweile Nachhaltigkeitsnachweise von ihren Lieferanten und berücksichtigen die CO2-Bilanz bei der Lieferantenwahl. Ein belastbares, unabhängiges Nachweisverfahren für grüne Prägung wird damit zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Notenbanken, die frühzeitig auf nachhaltige Verfahren umstellen, positionieren sich als Vorreiter und sichern sich zugleich den langfristigen Zugang zu Rohstoffen, da Recyclingquellen künftig stärker reguliert und priorisiert werden dürften.

CO2-Fussabdruck der Münzproduktion: Wo entstehen die grössten Emissionen?

Der CO2-Fussabdruck einer Münze hängt von mehreren Faktoren ab. Den grössten Anteil verursacht typischerweise die Rohstoffgewinnung: Kupfer, Nickel und Edelmetalle erfordern energieintensive Bergbau- und Raffinationsprozesse. Eine Tonne Kupfer aus Primärproduktion verursacht schätzungsweise 2 bis 3 Tonnen CO2-Äquivalente, aus Recycling dagegen nur 0,3 bis 0,5 Tonnen. Hinzu kommt die Herstellung der Ronden selbst – Schmelzen, Walzen, Stanzen –, die ebenfalls Energie verbraucht. Transport zur Münzstätte und die Prägung tragen zusammen weitere 15 bis 25 Prozent zur Gesamtbilanz bei. Für eine durchschnittliche Umlaufmünze ergibt sich daraus ein Gesamtfussabdruck von schätzungsweise 8 bis 12 Gramm CO2-Äquivalenten. Bei jährlichen Prägemengen im ein- bis zweistelligen Milliardenbereich summiert sich das rasch auf mehrere zehntausend Tonnen CO2.

Massnahmen zur Reduktion des CO2-Fussabdrucks bei der Münzprägung

Mehrere Hebel wirken zusammen. Recyclingmetalle sind der wirksamste: Der Wechsel von reinem Primärmaterial zu 50 bis 100 Prozent recycelten Ronden spart je nach Legierung 30 bis 70 Prozent CO2 ein. In der Prägerei selbst senken moderne Prägepressen mit energierückgewinnenden Bremssystemen und LED-Beleuchtung den Stromverbrauch pro Münze um 20 bis 30 Prozent. Auch die Logistik lässt sich optimieren – etwa durch lokale Rondenproduktion statt weltweiten Transports und durch gebündelte statt fragmentierte Lieferungen. Vereinbarungen zu Grünstrombezug werden bei grossen Herstellern zunehmend zum Standard-Differenzierungsmerkmal, und schliesslich lohnt es sich, Verschleissmaterial so weit wie möglich in die Recyclingkette zurückzuführen, statt es zu entsorgen. Münzrat unterstützt Zentralbanken dabei, solche Massnahmen als verbindliche Anforderungen in Ausschreibungen zu verankern, statt sie dem Zufall zu überlassen.

Nachhaltige Ronden: Recyclingmetalle als Rohstoffbasis

Ronden aus Recyclingmetall sind technisch gleichwertig mit solchen aus Primärmaterial, aber deutlich CO2-ärmer – vorausgesetzt, es steht sortenreiner Schrott in ausreichender Menge zur Verfügung. Eine naheliegende Quelle ist das eigene Münzsystem: alte, eingezogene Münzen. Viele europäische Zentralbanken verfügen bereits über Rücknahmesysteme und über Bestände an obsoleten Nominalen, etwa Vorgängerserien oder wenig nachgefragte Umlaufmünzen. Eine professionelle Recycling-Infrastruktur mit sauberer Sortierung, Schmelze und Neuproduktion ermöglicht Recyclinganteile von 40 bis 80 Prozent, ohne dass die Qualität leidet. Spezialisierte Recyclingpartner mit entsprechenden Decoiner-Anlagen können diesen Kreislauf transparent und nachvollziehbar gestalten. Die Beratung zur Recycling-Integrationsstrategie – von der Bestandsanalyse über die Partnerwahl bis zum Aufbau von Audit-Strukturen – ist bei Münzrat ein Kernthema.

Umweltfreundliche Münzentwertung als Teil der Kreislaufwirtschaft

Münzentwertung ist ein eigenes Spezialgebiet: Alte oder fehlerhafte Münzen müssen aus dem Umlauf genommen und zuverlässig vernichtet werden, klassischerweise durch Schreddern oder Einschmelzen – beides energieintensiv. Moderne Decoiner-Anlagen trennen das Material dagegen effizient nach Legierung und bereiten es so auf, dass die Fraktionen ohne zusätzlichen Schmelzverlust direkt zurück in die Ronden-Produktion fliessen können. Das ist Kreislaufwirtschaft im eigentlichen Sinn: Aus einer alten Münze wird ohne Qualitätsverlust der Rohstoff für eine neue. Gegenüber der klassischen Entsorgung lässt sich die CO2-Bilanz auf diesem Weg um weitere 40 bis 60 Prozent senken – für eine Notenbank, die jährlich Millionen verbrauchter Münzen ausmustert, ein spürbarer ESG-Beitrag.

ESG-Kriterien im Sicherheitsdruck: Banknoten und Steuerbanderolen

Beim Banknotendruck stellen sich ähnliche Fragen. Die grossen Hersteller – darunter De La Rue und Giesecke+Devrient – haben eigene Nachhaltigkeitsinitiativen gestartet, allerdings mit unterschiedlich ambitionierten Zielen und Messgrössen. Der CO2-Fussabdruck entsteht im Wesentlichen aus vier Quellen: dem Papier beziehungsweise den Faserstoffen (Primärfasern aus Holz gegenüber Recyclingfasern, chlorgebleicht oder chlorfrei), der eingesetzten Drucktechnologie (Intagliodruck ist energieintensiver als moderne Hybridverfahren), den verwendeten Farben und Chemikalien (Schwermetall- und Lösemittelgehalt) sowie der Logistik rund um Papier, Zwischenlagerung und Versand. Ein unabhängiger Berater vergleicht Banknotenlieferanten anhand transparenter ESG-Kennzahlen und kann Ausschreibungen so gestalten, dass nur Anbieter mit belastbaren Zielen oder nachgewiesener CO2-Neutralität teilnehmen.

Nachhaltige Banknotenproduktion: Ansätze und Referenzgrössen

Mehrere europäische Notenbanken setzen zunehmend auf CO2-ärmere Banknotenproduktion. Zu den gängigen Massnahmen zählen Papier aus zertifizierter, nachhaltiger Forstwirtschaft oder mit Recyclinganteil, Druckfarben auf Basis erneuerbarer Rohstoffe wie Pflanzenölen statt Mineralöl, vertraglich vereinbarter Grünstrombezug bei Lieferanten sowie ein konsequentes Abfallmanagement mit minimierten Ausschussquoten und Recycling von Papierverschnitt und Chemikalienrückständen. Grosse Hersteller wie De La Rue und Giesecke+Devrient haben öffentlich formulierte Klimaziele – Giesecke+Devrient etwa mit einer Umsatzgrösse von rund 3,1 Milliarden Euro und über 14'000 Mitarbeitenden in gut 40 Ländern (Stand 2024) gehört zu den Unternehmen, die regelmässig über ihren Fortschritt berichten. Solche Zusagen setzen Referenzpunkte; die Aufgabe unabhängiger Berater ist es, zu prüfen, ob sie auch vertraglich verankert und mit belastbaren Nachweisen unterlegt sind.

Wie bewerten Zentralbanken die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Lieferanten?

Eine belastbare Bewertung stützt sich auf mehrere Ebenen. Selbstauskünfte wie ISO-14001-Zertifikate, Scope-1- und Scope-2-Emissionsberichte oder wissenschaftsbasierte Reduktionsziele liefern einen ersten Anhaltspunkt, sollten aber durch unabhängige Vor-Ort-Audits ergänzt werden, die Energiequellen, Abfallmanagement und Recyclingprozesse tatsächlich überprüfen. Drittzertifizierer wie der Carbon Trust oder akkreditierte Prüfstellen bieten zusätzliche Validierung. Konkrete Kennzahlen – CO2 pro Münze oder pro tausend Banknoten, Recyclingquote, Energieintensität in Kilowattstunden pro Einheit, Wasserverbrauch – machen den Vergleich schliesslich belastbar. Münzrat hilft Zentralbanken, aus diesen Bausteinen eine eigene Scoring-Logik zu entwickeln und sie in Ausschreibungen zu verankern, etwa indem Nachhaltigkeitsleistung mit einem festen Gewichtungsanteil neben Preis und technischer Qualität in die Vergabeentscheidung einfliesst. So wird ESG zum echten Wettbewerbsfaktor und bleibt nicht blosse Pflichtübung.

Häufige Fragen

Kostet nachhaltige Münzprägung deutlich mehr als konventionelle?

Nicht zwingend. Ronden aus Recyclingmaterial liegen preislich meist auf Augenhöhe mit Primärmaterial oder sogar darunter, besonders wenn die Zentralbank eigene Altmünzenbestände einspeisen kann. Moderne, effiziente Prägepressen senken zudem die laufenden Produktionskosten. Preisunterschiede entstehen eher durch Zertifizierung, Transport oder kleinere Losgrössen bei spezialisierten, grünen Lieferanten. Über mehrjährige Verträge betrachtet, rechnet sich der Umstieg meist mindestens kostenneutral, häufig mit echten Einsparungen.

Welche Recyclingquoten sind für Zentralbanken realistisch?

Bei stabiler Verfügbarkeit von Altmünzenbeständen sind Quoten von 50 bis 70 Prozent erreichbar. Für neue Nominale ohne etablierte Rückgabewege – etwa neue Polymerserien – liegt das realistische Potenzial eher bei 20 bis 40 Prozent. Münzrat ermittelt in einer Vorstudie die lokal verfügbare, sortenreine Schrottquelle und leitet daraus ein realistisches Zielbild für die nächsten drei bis fünf Jahre ab.

Sind Banknoten aus Baumwollfasern nachhaltiger als solche aus Baumfaser-Papier?

Naturfasern wie Baumwolle sind tendenziell langlebiger und besser recycelbar, doch ihr CO2-Fussabdruck hängt stark von Anbau und Transport ab. Synthetische Polymere sind zwar sehr beständig, aber deutlich schwerer zu recyceln. Welche Variante im Einzelfall die nachhaltigere ist, hängt vom Kontext ab – ein unabhängiger Berater vergleicht die Lebenszyklusbilanz aller Optionen im Hinblick auf Ihre konkreten Ausgabeziele.

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