Green Security Printing steht für den gezielten Einsatz von Umweltstandards, nachhaltigen Materialien und energieeffizienten Prozessen bei der Herstellung von Banknoten, Sicherheitsdrucken und weiteren Währungsartefakten. Im globalen Sicherheitsdruckmarkt, der 2026 einen Wert von rund 33,9 Milliarden US-Dollar erreicht und bis 2030 mit einer CAGR von etwa 3,2 Prozent auf 39,7 Milliarden US-Dollar wachsen dürfte, entwickelt sich Nachhaltigkeit zunehmend zu einem zentralen Unterscheidungsmerkmal zwischen den führenden Druckereien – nicht nur aus Compliance-Gründen, sondern auch als Frage von Reputation und Beschaffungsstrategie.
Was Green Security Printing in der Praxis bedeutet
Green Security Printing umfasst den Einsatz biobasierter Lösemittel, FSC-zertifizierter Papiere und Polymere sowie Wasser- oder Windkraft in der Produktion, ergänzt um konsequente Abfallminimierung und Rückgewinnungssysteme. Konkret reduzieren Druckereien flüchtige organische Verbindungen, optimieren den Energieverbrauch bei Prägung und Trocknung und schliessen Tinten- und Chemikalienkreisläufe möglichst vollständig. Für Zentralbanken bedeutet das: Banknoten, deren Herstellung nachweislich geringere Umweltauswirkungen hat – ein Faktor, der in Jahresberichten und ESG-Offenlegungen zunehmend an Gewicht gewinnt und den einige grosse Emittenten bereits fest in ihren Beschaffungsvorgaben verankert haben.
Umweltzertifizierungen und ESG-Rahmenwerke im Sicherheitsdruck
Führende Sicherheitsdruckereien wie Giesecke+Devrient – mit rund 3,1 Milliarden Euro Umsatz und über 14'000 Mitarbeitenden an mehr als 120 Standorten in rund 40 Ländern (Stand 2024) – sind in der Regel nach ISO 14001 für Umweltmanagement zertifiziert, teilweise ergänzt um EMAS-Validierung oder Zertifikate anerkannter Klimaprüfstellen. Manche Anbieter haben zusätzlich wissenschaftsbasierte Reduktionsziele (Science Based Targets) oder Netto-Null-Zusagen formuliert. Internationale Rahmenwerke wie die Klimaberichterstattung nach TCFD-Prinzipien oder die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach GRI-Standards schaffen dabei eine gewisse Vergleichbarkeit der Offenlegungen. Für Zentralbanken ist das relevant, weil sie so den Klima-Fussabdruck ihrer Lieferanten quantifizieren und in die eigene ESG-Berichterstattung einbeziehen können. Unabhängige Beratung hilft, nicht nur die Zertifikate selbst zu prüfen, sondern auch deren tatsächliche Umsetzung im Betrieb zu validieren – gerade wenn mehrere Druckereien ähnliche Gütesiegel tragen.
Nachhaltige Farben, Substrate und Prozesse
Nachhaltige Farbsysteme basieren zunehmend auf pflanzlichen Ölen wie Rapsöl statt Mineralöl und verzichten auf Pigmente mit Schwermetallgehalt. Bei Polymersubstraten wird an recycelten und biologisch abbaubaren Varianten geforscht, wobei Notenbanken – ein wachsender Teil von ihnen hat seine Stückelungen inzwischen ganz oder teilweise auf Polymer umgestellt – weiterhin eine Balance zwischen Haltbarkeit und Recyclingfähigkeit suchen müssen. Im Papierdruck werden FSC- oder PEFC-zertifizierte Fasern bevorzugt, häufig kombiniert mit Massnahmen zur Reduktion von Wasser- und Energieeinsatz. Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Entsorgung von Spezialabfällen aus dem Druckprozess – Putztücher, Farbreste, Fehldrucke –, die zunehmend thermisch verwertet oder chemisch aufbereitet statt einfach deponiert werden. Der Markt bewegt sich spürbar in Richtung dokumentierter Nachhaltigkeitsnachweise, auch wenn sich das Tempo zwischen den Anbietern deutlich unterscheidet.
Energieeffizienz und erneuerbare Energien in der Sicherheitsdruckproduktion
Banknotenproduktion ist energieintensiv: Trocknungsöfen, UV-Härtung, Prägewalzen und Kontrollsysteme verbrauchen je nach Produktionsvolumen mehrere hundert bis mehrere tausend Megawattstunden pro Jahr. Moderne Anlagen setzen zunehmend auf LED-Härtung statt Quecksilberdampf-UV, Wärmerückgewinnung aus Trocknern und optimierte Walzengeometrie – Massnahmen, die den Energiebedarf um 15 bis 25 Prozent senken können. Führende Sicherheitsdruckereien wie Giesecke+Devrient, De La Rue oder Crane Currency beziehen zunehmend Strom aus Windkraft oder betreiben eigene Photovoltaikanlagen auf den Werksdächern. Das ist auch wirtschaftlich sinnvoll, da Stromkosten oft 10 bis 20 Prozent der gesamten Produktionskosten ausmachen. Zentralbanken können in Ausschreibungen einen eigenen Bewertungspunkt für Energiequellen und -effizienz definieren; unabhängige Berater helfen, solche Anforderungen realistisch zu formulieren und später auch zu überprüfen.
Nachhaltigkeitsansätze führender Sicherheitsdruckereien im Überblick
Die grossen Anbieter verfolgen unterschiedliche Schwerpunkte: Giesecke+Devrient investiert in LED-Technologie und ein systematisches Energiemanagement und hat sich langfristige Klimaziele gesetzt. De La Rue setzt einen Schwerpunkt auf Kreislaufwirtschaft, unter anderem mit Initiativen zum Polymer-Recycling. Crane Currency arbeitet mit wasserbasierten Farben und bezieht Strom zunehmend aus erneuerbaren Quellen. Koenig & Bauer positioniert sich stärker über Effizienzgewinne bei den Druckmaschinen selbst. Wichtig für die Beschaffungsentscheidung: Auch wenn mehrere Anbieter ähnliche Zertifikate und Zielsetzungen kommunizieren, unterscheiden sich die tatsächlichen Fortschritte, die Transparenz der Berichterstattung und die Skalierbarkeit der Massnahmen zum Teil erheblich. Eine anbieterneutrale Prüfung hilft Zentralbanken, sich nicht allein auf Marketingaussagen zu verlassen, sondern echte Unterschiede sichtbar zu machen.
Wie Green Security Printing die Beschaffungsentscheidung von Zentralbanken prägt
Zentralbanken sind zunehmend gehalten, ESG-Kriterien in ihre Ausschreibungen zu integrieren. Grosse Emittenten wie die Europäische Zentralbank oder die Bank of England verlangen von ihren Lieferanten wachsende Transparenz zu CO2-Fussabdruck, Zertifizierungen und Reduktionsplänen. Das erhöht die Anforderungen an Druckereien, macht die Beschaffung zugleich aber auch komplexer: Ein günstiges Angebot einer nicht zertifizierten Druckerei kann im Vergabeverfahren ausscheiden, wenn der Nachhaltigkeits-Score zu niedrig ausfällt. Daraus entsteht ein strategisches Spannungsfeld – zu strenge Kriterien schränken den Lieferantenwettbewerb ein und treiben die Preise, zu lasche Kriterien untergraben die Glaubwürdigkeit gegenüber Regulatoren und Öffentlichkeit. Unabhängige Berater wie Münzrat helfen, realistische und differenzierte Nachhaltigkeitskriterien zu definieren, Angebote fair dagegen zu bewerten und langfristige Partnerschaften mit echten, überprüfbaren Umweltverpflichtungen aufzubauen – statt Greenwashing durchgehen zu lassen.
Häufige Fragen
Wie erkennt eine Zentralbank, ob ein Drucker wirklich grün produziert oder nur greenwasht?
Am zuverlässigsten durch eine Kombination aus unabhängigem Vor-Ort-Audit mit Energiemessung und Chemikalienmanagement, der Verifizierung von Zertifikaten bei den ausstellenden Stellen, vertraglich festgeschriebenen Transparenzpflichten wie einer jährlichen CO2-Bilanz sowie dem Abgleich mit Branchenbenchmarks. Unabhängige Berater prüfen dabei gezielt, ob kommunizierte Aussagen durch reale Investitionen und messbare Reduktionen gedeckt sind.
Welchen Kostenaufschlag verursacht Green Security Printing?
In der Regel 2 bis 8 Prozent, abhängig von den konkreten Anforderungen – etwa FSC-Papier oder LED- statt UV-Härtung. Energieeffizienzmassnahmen amortisieren sich meist über drei bis fünf Jahre durch geringere Betriebskosten. Grosse Auftragsvolumen senken den Mehrkostenanteil spürbar, während kleine Losgrössen oder besonders spezielle grüne Anforderungen tendenziell teurer bleiben.
Sind alle grossen Sicherheitsdruckereien gleich nachhaltig?
Nein. Giesecke+Devrient, De La Rue und andere grosse Anbieter setzen sich teils ambitionierte Ziele, doch die tatsächliche Umsetzung unterscheidet sich stark zwischen einzelnen Standorten, Produktlinien und der Tiefe der Berichtsprüfung. Kleinere oder regional tätige Druckereien sind oft weniger transparent. Eine unabhängige Bewertung ist notwendig, um echte Unterschiede sichtbar zu machen statt sich auf Selbstauskünfte zu verlassen.
Wie integriere ich Nachhaltigkeit in meine Banknotenausschreibung, ohne die Lieferantenbasis zu gefährden?
Am besten über gestufte Anforderungen: Eine Basisstufe verlangt ISO 14001 und grundlegende Transparenz, eine Premiumstufe bevorzugt Anbieter mit belastbarer Netto-Null-Roadmap und nachweisbarer Emissionsreduktion. Ergänzt um ein Mehrlieferantenmodell mit gemischten Vergabekriterien – Qualität, Preis, Nachhaltigkeit, Lieferkettenrisiko – lässt sich Nachhaltigkeit einbinden, ohne den Wettbewerb unnötig einzuschränken. Externe Beratung hilft bei der richtigen Gewichtung.