Strategie zur Fälschungssicherheit: Technologieauswahl für moderne Banknoten

Von Dr. Markus Fellner, Gründer & Leitender BeraterAktualisiert 14. Juli 20265 Min. Lesezeit
Kurzantwort

Moderne Banknoten benötigen mehrschichtige Sicherheitsarchitekturen, die Fälscher auf mehreren Ebenen aufhalten: overt – für jedermann sichtbar –, covert – verborgen – und forensisch, nur mit Laborausrüstung nachweisbar. Zentralbanken müssen Technologien wählen, die sich gegenseitig verstärken, finanzierbar bleiben und über Jahrzehnte Bestand haben. Münzrat unterstützt Zentralbanken bei der Entwicklung solcher Anti-Fälschungs-Strategien und bei der neutralen Bewertung von Technologieanbietern.

Welche Sicherheitsmerkmale schützen Banknoten am wirksamsten?

Die wirksamsten Sicherheitsmerkmale verbinden Alltagstauglichkeit mit einem hohen Aufwand für die Nachahmung. Hologramme und optisch variable Farben fallen sofort auf, lassen sich mit modernem Equipment aber inzwischen teilweise reproduzieren. Sicherheitsfäden, Fenster und Wasserzeichen sind deutlich schwerer zu fälschen, verlangen dafür jedoch Spezialgeräte und eine enge Integration in das Substrat.

Echte Fälschungssicherheit entsteht aus Redundanz: mehreren voneinander unabhängigen Merkmalen, die sich funktional nicht überschneiden. Fällt ein Hologramm oder ein Sicherheitsfaden als Prüfmerkmal aus, sollten Wasserzeichen, Mikrotext oder forensische Elemente die Echtheit trotzdem belegen können. Zentralbanken, die sich auf ein oder zwei Merkmale verlassen, machen es Fälschern spürbar leichter.

Hologramme, Sicherheitsfäden, Wasserzeichen: ein technologischer Vergleich

Hologramme und optisch variable Elemente sind visuell eindrücklich und für die Bevölkerung leicht verständlich. Sie verlangen jedoch regelmässige Updates, weil Fälscher rasch nachziehen – als primäres Erkennungsmerkmal hält ein Hologramm oft nur wenige Jahre.

Sicherheitsfäden sind langlebiger, brauchen aber eine Integration ins Substrat und entsprechend ausgerüstete Druckmaschinen; ihre feine Struktur ist schwer nachzuahmen. Wasserzeichen sind der Klassiker – langzeitrobust und forensisch wertvoll, visuell aber subtil, sodass sie nicht jede und jeder zuverlässig erkennt. Eine ausgewogene Kombination bewährt sich am besten: das Hologramm für die sofortige Erkennung im Alltag, der Sicherheitsfaden für die maschinelle Verarbeitung bei Banken, das Wasserzeichen als forensisches Rückgrat. Münzrat berät, welche Kombination zur Zielregion und zum jeweiligen Fälschungsrisiko passt.

Wie Zentralbanken eine Anti-Fälschungs-Strategie entwickeln

Eine belastbare Strategie beginnt mit einer Bedrohungsanalyse: Wer fälscht – professionelle Banden, Gelegenheitstäter oder staatliche Akteure? Welche Technologien setzen sie ein, und wie schnell lernen sie dazu? Darauf aufbauend entsteht eine Merkmalsarchitektur, die über Jahrzehnte tragen soll.

Ebenso wichtig ist die Umsetzbarkeit: Können Druckerei und Substratlieferant die geplanten Merkmale tatsächlich zuverlässig produzieren? Bestehen Risiken in der Lieferkette? Wie lange dauert es, ein Merkmal auszutauschen, wenn es kompromittiert wurde? Münzrat hilft, diese Fragen systematisch zu beantworten und daraus eine anpassungsfähige Roadmap zu entwickeln, die nicht schon nach wenigen Jahren veraltet ist.

Das Schichtmodell der Fälschungssicherheit: overt, covert, forensisch

Overt-Merkmale sind für die Öffentlichkeit unmittelbar verständlich: Das Hologramm schimmert, also ist die Banknote echt. Sie schaffen eine psychologische Hürde für Gelegenheitsfälscher, verlangen aber häufige Erneuerung.

Covert-Merkmale sind verborgen oder nur schwer wahrnehmbar – etwa feine Sicherheitslinien, UV-reaktive Elemente oder magnetische Tinte. Geldautomaten und geschultes Personal erkennen sie, für die breite Bevölkerung bleiben sie unsichtbar. Weil kaum jemand weiss, dass es sie gibt, haben Fälscher wenig Anreiz, sie gezielt anzugreifen – covert-Merkmale halten deshalb entsprechend länger.

Forensische Merkmale lassen sich nur mit Laborausrüstung nachweisen – etwa mit spezieller Spektrometrie oder Elektronenmikroskopie. Sie sind langzeitstabil und dienen Notenbankexpertinnen und -experten als letzte Prüfebene. Das Schichtmodell schafft Redundanz: Fällt eine Ebene aus, greift die nächste. Dass sich dieser mehrschichtige Ansatz branchenweit durchgesetzt hat, zeigt sich auch am kontinuierlichen Wachstum des globalen Sicherheitsdruckmarkts, der Marktanalysen zufolge bis 2030 auf rund 40 Milliarden US-Dollar zulegen dürfte.

Kosten-Nutzen-Analyse: Welche Technologien lohnen sich?

Hologramme beanspruchen erfahrungsgemäss einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentanteil des Banknotendruckbudgets, senken das Fälschungsrisiko schnell, müssen aber regelmässig erneuert werden. Sicherheitsfäden sind etwas teurer in der Erstintegration, dafür deutlich langlebiger. Wasserzeichen sind vergleichsweise günstig und forensisch wertvoll, visuell aber unauffällig.

Eine seriöse Kosten-Nutzen-Analyse muss vor allem die Erneuerungshäufigkeit der einzelnen Merkmale einrechnen. Eine Strategie, die stark auf overt-Merkmale mit häufigem Hologrammwechsel setzt, wird über die Zeit teuer. Meist günstiger über einen Zeithorizont von 15 bis 20 Jahren ist eine hybride Strategie: ein stabiles Substrat mit einem moderaten overt-Element, kombiniert mit einer robusten covert- und forensischen Ebene. Münzrat modelliert solche Szenarien und zeigt auf, wo sich höhere Anfangsinvestitionen durch Langzeitstabilität auszahlen.

Beschaffung und Ausschreibung: den richtigen Technologielieferanten wählen

Die Wahl eines Sicherheitstechnologie-Lieferanten bindet eine Zentralbank meist über viele Jahre. Integrierte Anbieter wie Giesecke+Devrient, De La Rue und Crane Currency dominieren den Markt, daneben gibt es spezialisierte Anbieter für einzelne Technologiebereiche.

Eine gute Ausschreibung definiert technische Anforderungen, geforderte Zertifizierungen, Liefersicherheit und klare Eskalationswege. Sie bewertet nicht nur das Produkt, sondern auch die finanzielle Stabilität des Anbieters, seine Kapazität für Notfallproduktion und seine Innovationspipeline. Zentralbanken tun gut daran, mehrere Lieferanten zu qualifizieren, um die Abhängigkeit von einem Einzigen zu verringern. Münzrat analysiert Anbieter neutral und zeigt auf, welcher Technologiepartner zu Budget und Bedrohungslage passt.

Die Rolle unabhängiger Berater bei der Technologieauswahl

Anbieter von Sicherheitstechnologie haben ein finanzielles Interesse daran, ihre Produkte optimistisch darzustellen oder Zentralbanken in herstellereigene Lösungen zu binden. Ein unabhängiger Berater stellt die Fragen, die Lieferanten selbst nicht stellen: Wie langzeitrobust ist dieses Merkmal wirklich? Lässt es sich in fünf Jahren noch austauschen? Welche Alternativen gibt es am Markt?

Münzrat führt Blindtests durch, zieht forensische Fachleute hinzu und bringt – unter Wahrung der Vertraulichkeit – Erfahrungen aus Projekten bei anderen Zentralbanken ein. So entsteht ein objektives Bild. Der Berater moderiert zudem den Austausch zwischen Zentralbank, Druckerei und Technologielieferant, um Schnittstellenprobleme frühzeitig zu erkennen. Die Investition in unabhängige Beratung ist gering gemessen an den Kosten, die eine schlecht gewählte Technologie über Jahre verursachen kann.

Häufige Fragen

Wie oft sollte eine Zentralbank Sicherheitsmerkmale wechseln?

Overt-Merkmale wie Hologramme sollten etwa alle drei bis fünf Jahre erneuert werden, um Fälschern einen Schritt voraus zu bleiben. Covert- und forensische Merkmale können zehn bis fünfzehn Jahre stabil bleiben. Eine ausgewogene Strategie setzt auf Langzeitstabilität statt auf ständige Austauschzyklen.

Kann eine Zentralbank overt-Merkmale unabhängig wechseln?

Ja, sofern Substrat und Grunddruck in einem etablierten Format bleiben. Ein neues Hologrammdesign lässt sich integrieren, ohne die gesamte Banknote zu überarbeiten. Münzrat hilft, eine solche Modularität von Anfang an in die Strategie einzuplanen.

Sind proprietäre Sicherheitstechnologien besser?

In der Regel nicht. Herstellereigene Technologien binden eine Zentralbank an einen einzigen Lieferanten und verstärken die Abhängigkeit. Standardisierte Merkmale, die mehrere Anbieter herstellen können, sind langfristig meist sicherer und kostengünstiger.

Was kostet moderne Fälschungssicherheit pro Banknote?

Je nach Technologiemix entfallen häufig zehn bis dreissig Prozent des Produktionsbudgets auf Sicherheitsmerkmale – das entspricht grössenordnungsmässig 0,30 bis 1,00 Euro pro Banknote für Druck und integrierte Sicherheitsmerkmale zusammen. Münzrat zeigt auf, wo sich Mehrkosten durch eine längere Lebensdauer der Merkmale rechtfertigen lassen.

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