CBDC und Bargeldzukunft: Chancen für Münzprägung & Sicherheitsdruck

Von Dr. Markus Fellner, Gründer & Leitender BeraterAktualisiert 14. Juli 20264 Min. Lesezeit
Kurzantwort

Die digitale Zentralbankwährung, kurz CBDC, gilt vielen als Megatrend der Finanzarchitektur – doch physisches Bargeld und Münzen werden dadurch nicht verschwinden, sondern sich neu positionieren. Für Münzprägestätten und Sicherheitsdruckereien entstehen dabei neue Anforderungen an Design, Volumen und Spezialisierung. Münzrat unterstützt Zentralbanken und Emittenten dabei, die richtige Balance zwischen digitaler und physischer Währung zu finden und ihre Produktion zukunftsfest auszurichten.

Was ist eine digitale Zentralbankwährung (CBDC)?

Eine CBDC ist eine von einer Zentralbank ausgegebene digitale Form der Landeswährung, die elektronisch auf einer zentralisierten Datenbank oder einer verteilten Ledger-Technologie geführt wird. Im Unterschied zu Kryptowährungen unterliegt sie vollständig staatlicher Kontrolle und ist gesetzliches Zahlungsmittel. CBDCs ermöglichen Zahlungen teilweise ohne Bank als Mittler, ähnlich wie Bargeld – je nach Ausgestaltung können sie zusätzlich programmierbar sein, etwa für zeitlich befristete Gültigkeit oder zweckgebundene Auszahlungen. Zahlreiche Zentralbanken weltweit erproben derzeit CBDC-Pilotprojekte, um Zahlungssysteme schneller, sicherer und inklusiver zu machen.

Wie beeinflusst CBDC den weltweiten Bargeldumlauf?

Erste Studien und Zentralbankberichte deuten darauf hin, dass CBDC den Bargeldumlauf nicht abrupt verdrängen, sondern eher in ein koexistierendes System einbetten wird. In Ländern mit weit entwickeltem Bankensystem sinkt die Bargeldnutzung ohnehin bereits durch kontaktlose Kartenzahlungen – ein Trend, den CBDC eher beschleunigen als auslösen dürfte. Umfragen zeigen jedoch gleichzeitig, dass grosse Teile der Bevölkerung an Bargeld festhalten wollen: aus Gründen der Privatsphäre, der Unabhängigkeit von technischer Infrastruktur und der Krisensicherheit. Viele Zentralbanken planen deshalb, CBDC und Bargeld parallel anzubieten, um Finanzstabilität und Verbrauchervertrauen nicht zu gefährden.

Bargeld und Münzen bleiben: Warum physische Währung weiterhin relevant ist

Physisches Bargeld erfüllt Funktionen, die eine rein digitale Währung nicht ersetzen kann: Zahlungsfähigkeit ohne technische Infrastruktur, Unabhängigkeit vom Internet, Schutz vor Cyberangriffen und für viele Bürgerinnen und Bürger ein Gefühl von Freiheit und Privatsphäre. Münzen haben darüber hinaus eine emotionale Dimension – als Sammelobjekte, Andenken und kulturelle Symbole eines Landes. Ein vollständiger Übergang zu rein digitalen Währungen würde deshalb kaum auf gesellschaftliche und politische Zustimmung stossen. Der internationale Trend geht entsprechend in Richtung Koexistenz: CBDC und Bargeld ergänzen sich mittelfristig, statt sich gegenseitig abzulösen.

Auswirkungen auf die Münzprägung: Mengen, Materialien und Innovation

Ein sinkender Bargeldumlauf führt tendenziell zu geringeren Prägevolumina bei Umlaufmünzen – gleichzeitig eröffnen sich neue Spezialisierungsfelder: Sammlermünzen, Gedenkmünzen mit aufwendigerem Design und Münzen aus nachhaltigen Materialien gewinnen an Bedeutung. Einige Zentralbanken experimentieren bereits mit Designelementen, die physische Münzen und digitale Welt verbinden, etwa durch maschinenlesbare Codes oder zusätzliche digitale Sicherheitsmerkmale. Unabhängige Berater wie Münzrat helfen Emittenten dabei, Prägemengen realistisch zu kalkulieren, Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und innovative Designs zu entwickeln, die Münzen auch im digitalen Zeitalter attraktiv halten.

Folgen für Sicherheitsdruck und Banknotenproduktion

Banknoten bilden traditionell das grösste Segment des globalen Sicherheitsdruckmarktes, der insgesamt seit Jahren moderat, aber stetig wächst. CBDC dürfte die Nachfrage nach Banknoten mittelfristig dämpfen, sie jedoch nicht verdrängen: Zentralbanken werden weiterhin in Banknotensicherheit und Innovation investieren, um die verbleibenden Umlaufmengen an Münzen und Noten wirksam zu schützen. Der Sicherheitsdruck spezialisiert sich zunehmend auf höherwertige Ausgaben – etwa Sammler- und Gedenknoten –, auf dokumentenkritische Drucke wie Ausweise und Zertifikate sowie auf Hybridlösungen, die physische und digitale Authentizität verbinden. Die meisten Branchenbeobachter erwarten dabei kein Zusammenbrechen, sondern eine Transformation: weniger Volumen, aber höhere Wertschöpfung pro Einheit.

Strategien von Zentralbanken: Parallel-Architektur statt Entweder-Oder

Fortschrittliche Zentralbanken verfolgen eine Zweispuren-Strategie: CBDC für schnelle, sichere digitale Massenzahlungen, Bargeld und Münzen als robustes Rückgrat für ländliche Regionen, Krisenszenarien und Bevölkerungsgruppen ohne Bankzugang. Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt die Vorbereitungen für einen digitalen Euro voran, hält aber gleichzeitig am Recht auf Bargeldzahlung fest. Die Schweizerische Nationalbank untersucht in Pilotprojekten den Einsatz von Zentralbankgeld auf Distributed-Ledger-Basis, ohne die Bargeldversorgung einzuschränken. Auch in Asien laufen CBDC-Vorhaben, ohne dass Münz- und Banknotenproduktion deshalb zurückgefahren würden. Für die Industrie bedeutet dieses Szenario mehr Planungssicherheit durch ein geordnetes Übergangsmanagement – aber auch spürbar mehr Druck auf Kosteneffizienz und Spezialisierung.

Chancen für unabhängige Berater in Münzprägung und Druck

In diesem Transformationsprozess bieten unabhängige Berater wie Münzrat einen entscheidenden Mehrwert: Objektivität gegenüber den grossen Herstellern – etwa Giesecke+Devrient, De La Rue oder Koenig & Bauer –, fundiertes Wissen über Grenzkosten und Produktionsalternativen sowie Expertise in nachhaltigen Lösungen wie modernen Decoiner-Verfahren und Münzrecycling. Zentralbanken und Finanzinstitutionen profitieren von einer Strategieberatung, die ihre langfristige Produktionsplanung unter den Unsicherheiten der CBDC-Einführung realistisch justiert. Münzrat unterstützt zudem bei der Kommunikation gegenüber Stakeholdern – etwa bei der Frage, wie sich sinkende Bargeldmengen erklären lassen oder wie sich Investitionen in hochwertige Münzprägung auch bei rückläufigen Volumen begründen lassen. Als unabhängige Stimme ohne Anbieterbindung ist Münzrat in diesem Diskurs glaubwürdig positioniert und kann helfen, Kosten zu senken und Innovation gezielt voranzutreiben.

Häufige Fragen

Wird CBDC Bargeld und Münzen komplett ersetzen?

Nein. Zentralbanken weltweit planen CBDC und Bargeld überwiegend als parallele Systeme. Bargeld bleibt für Datenschutz, Offline-Zahlungen und Bevölkerungsgruppen ohne Bankzugang unverzichtbar. Die meisten Beobachter rechnen mit einem längeren, mehrjährigen Übergangszeitraum, in dem die Bargeldumlaufmenge stabil bleibt oder nur leicht sinkt.

Wie verändern sich Prägemengen für Münzen unter CBDC?

Umlaufmünzen dürften mittelfristig etwas weniger stark nachgefragt werden. Prägestätten weichen deshalb zunehmend auf Sammlermünzen, Gedenkmünzen und Münzen mit besonderen Merkmalen aus. Der Fokus verschiebt sich von reinem Volumen hin zu Design-Qualität und Materialinnovation, etwa durch Münzrecycling und nachhaltige Rohstoffe.

Beeinträchtigt CBDC die Rentabilität von Sicherheitsdruckereien?

Mittelfristig dürfte die Banknotennachfrage etwas sinken, der Sicherheitsdruckmarkt als Ganzes bleibt jedoch robust, da Ausweisdokumente, Zertifikate und Steuerbanderolen weiterhin Sicherheitsdruck erfordern. Viele Anbieter diversifizieren zusätzlich in dokumentenkritische Druckprodukte und hybride Authentizitätslösungen. Unabhängige Beratung hilft, diesen Übergang wirtschaftlich sinnvoll zu gestalten.

Welche Rolle spielen unabhängige Berater in der CBDC-Transformation?

Unabhängige Berater wie Münzrat beraten Zentralbanken zu Produktionsmengen, Kostenstrukturen, Nachhaltigkeitslösungen und Herstelleralternativen – frei von Interessenkonflikten mit Grossanbietern wie Giesecke+Devrient oder De La Rue. Sie unterstützen zudem bei Themen wie Münzentwertung, Recycling und der strategischen Kommunikation gegenüber Politik und Öffentlichkeit.

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